Dr. Joachim Galuska spricht über Hintergründe und sein Buch.
In seinem neuesten Buch „Die Seele des Psychotherapeuten“ ären Sie diese Entwicklung?
Joachim Galuska: Wir erleben eine psychosoziale Überforderung der Gesellschaft, die bei den Menschen psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Essstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Suchterkrankungen auslösen können.
Ursache hierfür sind die vergangenen und aktuellen Krisen, angefangen bei Corona, über die Kriege und Verwerfungen in der Welt bis hin zu wirtschaftlicher Unsicherheit oder den Auswirkungen des Klimawandels. Wir leben gewissermaßen in einer komplexen, vielfältigen Dauerkrise, die den Einzelnen überfordert.
Kann der Einzelne etwas tun, damit er diese psychischen Herausforderungen und Belastungen besser bewältigen kann?
Er sollte lernen, mit seinem Körper, seiner Seele und seinem Geist gut umzugehen. Zu dieser persönlichen Resilienz gehören auch gute und stabile Beziehungen, also ein soziales Netzwerk aus Menschen, auf die wir uns verlassen können. Wenn die persönlichen und sozialen Ressourcen nicht ausreichen, dann ist externe Hilfe gefragt, dann sind Ärzte und Therapeuten gefragt.
Der Begriff der „Seele“ spielt sowohl in Ihrem Buch als auch bei dem von Ihnen entwickelten ganzheitlichen Therapiekonzept eine zentrale Rolle. Können Sie kurz erläutern, was Sie darunter verstehen?
Ich verstehe die Seele nicht als etwas Greifbares oder religiös Definiertes, sondern als Metapher für einen offenen Bewusstseinsraum. Sie steht für die Erfahrung, dass wir Menschen mehr sind als unsere Gedanken über uns selbst, unsere Diagnosen oder die Konzepte, mit denen andere uns betrachten. Die Seele lässt sich für mich daher weniger rational erfassen als vielmehr spüren.
Gerade den Psychotherapeuten stellen Sie in den Mittelpunkt Ihres neuesten Buchs. Warum kommt diesen Fachkräften eine so zentrale Bedeutung zu?
Der Psychotherapeut ist das Bindeglied zwischen den Wissenschaften und der praktischen Anwendung und damit die Bezugsperson für den Patienten, der er mit Vertrauen auf Hilfe und Heilung begegnet. Mit seiner Persönlichkeit, seiner Präsenz und seiner inneren Haltung beeinflusst der Therapeut maßgeblich den Behandlungsprozess und trägt zu einer gelingenden Therapie bei.
Durch Ihr Buch „Die Seele des Psychotherapeuten“ plädieren Sie dafür, die therapeutische Perspektive zu erweitern. Können Sie Ihren Ansatz verdeutlichen?
In der Psychotherapie gibt es verschiedene Ansätze und Formen, die mal tiefenpsychologisch, mal verhaltens- oder gesprächstherapeutisch ausgelegt sind und vom Therapeuten angewendet werden. Jeder Ansatz ist aber eine Brille, durch die der Patient einseitig betrachtet und dadurch nicht ganzheitlich behandelt wird. Meine Überlegungen richten sich nicht gegen die verschiedenen Therapieverfahren, die ihre Berechtigung und Wirksamkeit haben.
Vielmehr möchte ich durch meinen Ansatz der „beseelten Psychotherapie“ den Blickwinkel und damit den Gestaltungsraum des Therapeuten erweitern: Er soll an keine, meist einseitig ausgerichtete Perspektive gebunden sein und ganzheitlich zum Wohle des Patienten handeln. Dabei ermöglichen ihm seine Erfahrungen, sein Reifeprozess, seine Intuition und eine innere Seelenverankerung, das jeweils passende Therapiekonzept anzuwenden.
Kösel-Verlag, München
Hardcover, ISBN: 978-3-466-34873-2 für 28,00 Euro.
eBook, ISBN: 978-3-641-34799-4 für 24,99 Euro.



